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Fahrerin in LKW bedient Tachograph

Die Symbole des digitalen Tachographen - Welche Bedeutung haben sie und wofür werden sie genutzt

Zuletzt geupdated am 23. Mai 2023 in Fuhrparkmanagement von Cecilia Bandolin |  Lesedauer: 5 Minuten


LKW-Fahrer und Transportunternehmen in Deutschland sind von der EU verpflichtet, den digitalen Tachographen für die Aufzeichnung der Lenk- und Ruhezeiten zu nutzen. In diesem Artikel erklären wir die Bedeutung der einzelnen Tachographen-Symbole und zeigen Praxisbeispiele auf.

LKW Fahrer in ganz Europa können sich auf einheitliche Tachographen-Symbole verlassen, die ihre Aktivität während der Schichtzeiten aufnehmen und auf dem Display des Fahrtenschreibers anzeigen. So kann minutengenau dokumentiert werden, ob sie fahren, eine Ruhepause einlegen oder Arbeiten und beispielsweise Be- oder Entladungen durchführen.

Aber welche Fahrtenschreiber-Symbole gibt es überhaupt und welche Bedeutung haben die Symbole für Fahrer und für Nutzer von Telematik-Software? Wir erklären im Folgenden die Bedeutung jedes einzelnen Symbols und zeigen Praxisbeispiele auf. 
 

Der Tachograph und die gesetzliche Grundlage in Europa

Die Hauptaufgabe des digitalen Tachographen ist es, Aktivitäten wie Lenk- und Ruhezeiten sowie Arbeits- und Bereitschaftszeiten des Fahrers zu erfassen. 

Ein digitaler Tachograph erfasst zudem Daten zu Geschwindigkeit, zurückgelegten Strecken, Beginn und Ende der Fahrt sowie weitere Kennzahlen des Fahrzeuges.

 

Die Lenk- und Ruhezeiten werden von der Europäischen Union gesetzlich geregelt (EU (VO) 561/2006) und in jedem Land der EU entsprechend umgesetzt. Seit 2006 sind digitale Fahrtenschreiber im gewerblichen Transport in Deutschland und in der gesamten EU Pflicht. 

Die EU-Verordnungen 2020/1054 und 165/2014 schreiben vor, für welche Fahrzeuge digitale Fahrtenschreiber verwendet werden müssen. In diesem Video von Geotab erhalten Sie weiterführende Informationen über die tachographenpflichtigen Fahrzeugklassen und über die gesetzliche Grundlage in Deutschland.

 

Seit der Einführung des Fahrtenschreibers ist die Aufzeichnung von Lenk- und Ruhezeiten um ein Vielfaches transparenter geworden und die Tatsache, dass überall auf dem europäischen Kontinent die gleichen Regeln gelten, macht nicht nur Kontrollen erheblich leichter, sondern sorgt in der Transport & Logistik Branche für annähernde Chancengleichheit. Die Europäische Union verfolgt dabei drei Hauptziele: Erhöhung der Sicherheit im Straßenverkehr, Verbesserung der sozialen Bedingungen für das Fahrpersonal und Fairness im Wettbewerb.
In der Praxis ist die Bedienung von digitalen Tachographen allerdings nicht einfach und erfordert gezielte Schulungen während und nach der Ausbildung. Auch Unternehmen und deren Fuhrparkleiter sind verpflichtet, sicherzustellen, dass das Fahrpersonal den jeweiligen Tachographen und seine Symbole kennt und problemlos bedienen kann. Bei Verkehrskontrollen wird vermehrt darauf geachtet, ob der Fahrer geschult wurde, die Rechtslage kennt und sich seiner persönlichen Rechte hinsichtlich Arbeitszeitgesetz sowie Lenk- und Ruhezeiten bewusst ist.

 

Bedienung des Tachographen und seine Symbole:

Bei Schichtbeginn steckt der Fahrer seine Karte in den Kartenschacht 1 des Fahrtenschreibers und kann dann durch die Bedienung des Cursors seine Aktivität dokumentieren.

Die vier Hauptaktivitäten des Fahrers sind:

  • Fahren (Lenkzeit)
  • Ruhen (Pause- und Ruhezeit)
  • Verfügbar (Bereitschaftszeit wie z.B. Wartezeit, Beifahrerzeit, Schlafkabinenzeit bei der Fahrt zu zweit)
  • Andere Arbeiten (Sonstige Arbeitszeit)

Jede Aktivität wird von einem speziellen Symbol dargestellt, das überall in Europa einheitlich genutzt und verstanden wird. 

Hier finden Sie die Tachographen-Symbole, auch Piktogramme genannt: 

 

Symbol Lenkzeit
Lenkzeit
Symbol Ruhezeit
Ruhezeit
Symbol Bereitschaftszeit
Bereitschaftszeit
Symbol sonstige Arbeitszeit
Sonstige Arbeitszeit                                                             

 

Die Abfahrtskontrolle

Vor Fahrtbeginn ist in Deutschland gemäß Vorschrift 70 der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung eine tägliche Abfahrtskontrolle vorgeschrieben, die sowohl zur Sicherheit im Straßenverkehr als auch zur Gewährleistung der Wirtschaftlichkeit des Fahrzeugs dient.

Die Dauer der Abfahrtskontrolle ist abhängig von Fahrzeug, Ladung und Einsatzzweck, sollte aber mindestens 10 Minuten betragen. Dabei muss der Fahrer unter anderem überprüfen, ob es am Fahrzeug Mängel gibt, ob die Ladung ordnungsgemäß gesichert ist und ob alle wichtigen Papiere vorhanden sind. Der Fahrer darf dabei nicht vergessen, bereits vor Beginn dieser Tätigkeit die Aktivität “Arbeitszeit” im Fahrtenschreiber einzustellen oder, sofern die Fahrerkarte während der Prüfung noch nicht gesteckt war, einen Nachtrag zu generieren. 


 

Aktivitätswechsel und manuelle Nachträge

Der Fahrtenschreiber ist in der Lage, die Aktivität “Fahren”, also Lenkzeit, automatisch zu erkennen. Sobald sich das Fahrzeug in Bewegung setzt, wird im Tachograph unabhängig vom vorherigen Status auf die Aktivität “Fahrzeit” gewechselt. 

Ein ähnlicher Automatismus setzt ein, wenn das Fahrzeug zum Stehen kommt. Muss der Fahrer aber nach dem Anhalten beispielsweise das Fahrzeug entladen, dann muss das Gerät manuell auf das entsprechende Aktivitätssymbol “Arbeitszeit” umgestellt werden. 

Neuere Tachographen ab Versionen 2.1. haben diesen Automatismus optimiert und ermöglichen die sogenannte Minutenregel: eine Tachographen-Minute zählt erst dann als Lenkzeit, wenn sie die längste Aktivität innerhalb dieser Minute ist. Dies ermöglicht zum Beispiel dem Fahrer, während einer Ruhepause die Möglichkeit des Rangierens, ohne die Aktivität “Ruhepause” dabei unterbrechen zu müssen. 

Aber Achtung: Die Aktivität Fahren darf dabei nicht länger als 29 Sekunden betragen. 

 

Nicht alles kann automatisch erfolgen: Tätigkeiten, die nicht am Steuer stattfinden, müssen manuell nachgetragen werden. Das ist zum Beispiel bei Aktivitäten wie Be- und Entladen oder Büroarbeit der Fall. Ebenfalls müssen Aktivitäten, die stattfinden, während die Fahrerkarte nicht im Tachograph gesteckt ist, manuell nachgetragen werden. Ein Beispiel ist die Zeit von Freitagabend bis Montag früh, wenn der Fahrer am Wochenende nicht arbeitet und seine Tages -oder Wochenruhezeit außerhalb des LKW verbringt. Die Funktion der manuellen Eingabe am digitalen Tachographen nennt man auch Lückenschluss und ist sehr wichtig, um Lücken in den Dateien und somit hohe Bußgelder zu vermeiden.
 

Zum Schutz der persönlichen Daten sollte der Fahrer bei Schichtende immer seine Karte entnehmen, das gilt auch bei Fahrerwechsel im Teambetrieb. In diesem Fall ist es Pflicht, die Karte in den zweiten Schacht zu stecken, da die Karte des aktiven Fahrers sich im linken, ersten Schaft befinden muss. 
 

Länderspezifische Symbole

Neben den Symbolen, welche die verschiedenen Fahreraktivitäten darstellen, bietet der Tachograph auch länderspezifische Kennzeichen, die wichtig sind, um Ortswechsel oder Aufenthaltsort korrekt zu protokollieren. Deutschland wird beispielsweise mit einem D gekennzeichnet, Österreich mit A und die Schweiz mit CH. Eine vollständige Liste der Länderkennzeichen finden Sie in der Bedienungsanleitung Ihres Fahrtenschreibers.

Gemäß dem neuen EU-Mobilitätspaket müssen Fahrer seit dem 2. Februar 2022 alle Grenzübertritte im digitalen Fahrtenschreiber eingeben: Bei dem ersten Halt im Ausland muss der Fahrer das entsprechende Länderkennzeichen eingeben. Die Eingabe muss entweder unmittelbar nach der Grenze oder auf dem nächstmöglichen Halteplatz erfolgen. Falls das Fahrzeug mittels Fähre oder Schienen die Landesgrenzen überquert, dann muss die Eingabe im Ankunftshafen oder -bahnhof erfolgen.


 

Die gesetzlichen Intervalle und der Remote-Download

Wenn Fahrer hinreichend unterwiesen wurden und die Regeln bei der Nutzung des Tachographen anwenden und beachten, werden die Lenk- und Ruhezeiten fehlerlos protokolliert. Dadurch können hohe Bußgelder für Fahrer und Unternehmer vermieden werden und, was viel wichtiger ist, die gesetzlich vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten eingehalten werden.

Die Gesetzgebung sieht vor, dass Tachographen- und Fahrerdaten in regelmäßigen Abständen heruntergeladen und gespeichert werden müssen. In Deutschland betragen diese Intervalle maximal 90 Tage für Fahrzeuge und 28 Tage für Fahrer. Besser ist es, wenn die Intervalle zur Sicherung der Daten relativ kurz gehalten werden. So können Lenkzeitverstöße und Probleme frühzeitig erkannt und ggf.  gegengesteuert werden. 
 

Fahrer und Fuhrparkleiter müssen sicherstellen, dass diese maximalen Intervalle eingehalten und alle Daten fristgerecht archiviert werden. Außerdem müssen diese Daten auf Anfrage der Behörden zur Verfügung gestellt werden können.  Darüber hinaus sind Unternehmen verpflichtet, diese personenbezogenen Daten auf Verstöße hin zu prüfen und nach Ablauf der gesetzlichen Frist zu löschen. Bei personenbezogene Daten, die nicht zur Gehalts- und Lohnabrechnung herangezogen werden, beträgt die Löschfrist 12 Monate. Mehr Informationen über den Remote-Download finden Sie in diesem Blogbeitrag.
 

Die LKW-Lösung von Geotab

Diese Aufgaben führen zu einem hohen Personalaufwand für Logistik- und Transportunternehmen.

Geotab mit seiner Flottenmanagement Lösung für LKWs kann diese Prozesse deutlich vereinfachen und viele dieser Schritte automatisieren. 

Mit dem MyGeotab Fahrtenschreiber Add-In können Fuhrparkleiter die Aktivitäten des Fahrpersonals  in Echtzeit nachverfolgen und beispielsweise genau einsehen, wie viel Restlenkzeit für einen Fahrer noch vorhanden ist. Routen können somit in Echtzeit kontrolliert und ggf. an die Restlenkzeiten der Fahrer angepasst werden. 

Die Symbole auf dem Fahrtenschreiber findet man in dem Add-In wieder, was die Bedienung und Auswertung der Fahreraktivitäten, sowie die Fahrerbelehrung anhand von Zertifikaten, die aus der Plattform direkt heruntergeladen werden können, erheblich erleichtert.

 

Screenshot Tacho Add-In

 

Eine weitere sehr hilfreiche Funktion im Fahrtenschreiber Add-in ist der Arbeitszeitbericht, der es dem Flottenmanager ermöglicht, die aufsummierten Aktivitäten je Fahrer für eine bestimmte Zeit anzuzeigen und grafisch sichtbar zu machen. Die Zeitspanne kann dabei individuell angepasst werden. 

Der Bericht zeigt neben den sechs aufsummierten Tachographen Aktivitäten auch den Anteil an Nachtarbeit oder den Anteil an Arbeit, der nicht im Heimatland, also international erfolgt ist. Diese Übersicht ist vor allem für die Spesenabrechnung sehr nützlich.

Screenshot Tacho Add-In Arbeitsbericht

Das Geotab Add-In bietet noch viele weitere hilfreiche Funktionen für Fuhrparkleiter und Unternehmer. Weitere Informationen finden Sie in diesem Blogpost oder auf unserer Webseite.


 


 


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Geotabs Blogbeiträge sollen Informationen bereitstellen und Diskussionen über Themen anregen, die für die gesamte Telematik-Gemeinschaft von Interesse sind. Geotab bietet durch diese Blogbeiträge keine technische, professionelle oder rechtliche Beratung an. Obwohl alle Bemühungen unternommen wurden, um sicherzustellen, dass die Informationen in diesem Blogbeitrag zeitnah und genau sind, können Fehler und Auslassungen auftreten, und die hier präsentierten Informationen können Laufe der Zeit veraltet sein.

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