Leitfaden zum Aufladen von Elektrofahrzeugen

Veröffentlicht am 28. August 2019 in Elektromobilität von Nicki Schill


Dieser Leitfaden bietet Ihnen wichtige Hinweise zum korrekten Aufladen von Elektrofahrzeugen.

Spricht man mit Fahrern nicht-elektrischer Fahrzeuge wird als Hauptargument gegen Elektrofahrzeuge meist der Mangel an Ladestationen genannt. Mit der aktuellen Infrastruktur ist es nicht möglich, sein Fahrzeug jederzeit und überall zu laden. Die Angst, das Fahrzeug nicht laden zu können, kann dazu führen, dass Personen bzw. Unternehmen vom Kauf eines Elektrofahrzeugs für den Alltag absehen.

 

Außerdem können Preisschwankungen, separate Parkgebühren und begrenzte Zugangszeiten das Laden von Elektrofahrzeugen zusätzlich verkomplizieren. Ein Elektroauto zu fahren muss jedoch nicht kompliziert oder teuer sein.

Übersicht zum Leitfaden

Dieser Leitfaden zum Aufladen von Elektrofahrzeugen behandelt die Grundlagen: von den verschiedenen Dingen, die Sie benötigen, um Ihr Fahrzeug zu Hause oder am Arbeitsplatz zu laden, bis hin zum Laden unterwegs. Außerdem werden wir uns ansehen, wie lange das Laden eines Elektrofahrzeugs dauert und wie viel es kostet.

 

Um Ihr Elektrofahrzeug effektiv nutzen zu können, sollten Sie über Folgendes verfügen:

  • Stecker zum Laden zu Hause oder am Arbeitsplatz
  • Kenntnisse zur Fahrzeugnutzung
  • Konto bei einem Anbieter von öffentlichen Ladesäulen für Elektrofahrzeuge
  • Klare Vorstellung der Kosten und des Zeitaufwands für das Laden

Elektrofahrzeuge sind dann sinnvoll, wenn die Energiekosten (also die Ladekosten) niedrig bleiben und sich der Zugang problemlos gestaltet.

Grundbegriffe für das Laden von Elektrofahrzeugen

Bevor wir uns näher mit den verschiedenen Aspekten des Ladens befassen, wollen wir einige der wichtigsten Begriffe definieren:

 

Eingebautes Ladegerät

Das eigentliche Ladegerät für ein Laden der Stufe 1 und 2 ist werkseitig installiert und wird als „eingebautes Ladegerät“ bezeichnet. Es wandelt Wechselstrom aus der Steckdose in Gleichstrom um, der die Batterie im Fahrzeug auflädt. Die Ladegeschwindigkeit kann variieren, doch die gängigsten eingebauten Ladegeräte liefern 6,6 kW bei batterieelektrischen Fahrzeugen (BEVs) und 3,3 kW bei Plug-in-Hybrid-Elektrofahrzeugen (PHEVs). Beim Schnellladen mit Gleichstrom wird ein eigenes externes Ladegerät verwendet.

 

EVSE

Steht für „Electric Vehicle Service Equipment“ (Ladestation für Elektrofahrzeuge). Diese bildet das Bindeglied zwischen der Stromquelle und dem Ladeanschluss des Fahrzeugs und ist in der Regel an einer Wand oder auf einem Sockel montiert. Sie dient lediglich dazu, das Fahrzeug sicher mit Netzstrom zu versorgen.

 

Laden der Stufe 2

Hierbei fließt Strom mit 200–240 V entweder über eine EVSE mit Stecker, der an Ihr Auto angeschlossen wird oder über eine 230-V-Steckdose (herkömmliche Haushaltssteckdose), für die ein Kabel/Adapter erforderlich ist. Ladegeräte der Stufe 2 liefern bis zu 80 A und ermöglichen in einer Stunde eine Reichweite von 16 bis 105 km.

 

Schnellladen mit Gleichstrom

Hierbei ist das Ladegerät eine Maschine in der Größe einer Zapfsäule. Es gibt keinen einheitlichen Standard für das Schnellladen – Tesla verfügt über das Supercharger-Netz; Nissan Leaf, Kia und Mitsubishi erhalten mit CHAdeMO ihren Extraschub, und Chevy Bolt, BMW, Volkswagen und andere verwenden SAE Combo (kombiniertes Ladesystem oder CCS). Alle oben genannten Schnellladegeräte ermöglichen ein Laden um ca. 80 % in 30 Minuten, und jedes Jahr kommen schnellere Ladeoptionen auf den Markt.

 

Hersteller von EVSE-Produkten

Ein Unternehmen, das Hardware für Ladestationen herstellt. Dies muss nicht unbedingt bedeuten, dass sie auch ein Netzwerk bereitstellen (siehe unten).

 

Dienstleister im Bereich Elektrofahrzeuge (EVSP)

Ein EVSP bietet Konnektivität über ein Netzwerk von Ladestationen hinweg. Er stellt eine Verbindung zu einem zentralen Server her und verwaltet die Software, die Datenbank und die Kommunikationsschnittstellen, die den Betrieb der Station ermöglichen.

Wie viel kostet es, ein Elektroauto zu laden?

Die meisten Elektrofahrzeuge werden hauptsächlich über Nacht zu Hause oder in einem Fuhrparkdepot geladen, wofür oft die Installation eines Systems der Stufe 2 empfohlen wird. Diese Systeme kosten bei den Herstellern etwa 450 bis 540 Euro, Sie werden auf dem Markt aber auch etwas niedrigere Preise (und teurere Optionen) finden.

 

Neben der EVSE sind die Installationskosten zu nennen, die je nach Anlage und Dienstleister bei rund 270 Euro für eine Ladestation zu Hause oder bei mehr als 900 Euro für eine kommerzielle Anwendung liegen können. Beispielsweise kostet der Aufbau in die Mitte eines offenen Parkplatzes mehr als das Einrichten einer wandmontierten Station in der Nähe eines Schaltraums. Sobald Sie alle Vorkehrungen zum Laden getroffen haben, bestimmen die Strompreise in Ihrer Region, was Sie für den Strom bezahlen.

 

Hinweis: Je nach Region gibt es möglicherweise Anreize für gewerbliche und private Ladegeräte auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene.

 

Aufladen Ihres Elektrofahrzeugs:

Angenommen, Sie zahlen etwa den nationalen Durchschnitt von 0,11 Euro pro Kilowattstunde (kWh), dann würde es Sie weniger als 2,70 Euro kosten, den Nissan Leaf auf eine Reichweite von 120 km Reichweite zu laden. Anders ausgedrückt: Laut Schätzungen der EPA (auf Englisch) kostet es Sie 0,88 Euro, um mit diesem Fahrzeug eine Strecke von 40 km zurückzulegen.

 

Der Tesla Model S, der eine Reichweite von mehr als 400 km in verschiedenen Ausführungen bietet, kostet rund 4,50 Euro für eine Reichweite von 200 km und 9 Euro, um die Batterie vollständig zu laden, nachdem sie leer war. Im Vergleich zu den durchschnittlichen Kraftstoffkosten von 0,64 Euro pro Liter und dem durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch von 9,4 Liter auf 100 Kilometer würde es etwa 24,00 Euro kosten, die gleiche Reichweite (400 km) mit einem Benzinfahrzeug zu erreichen.

 

Beim Laden eines Plug-in-Hybrid-Elektrofahrzeugs aus dem unteren Segment sind die Kosten für die Ladestation vernachlässigbar. Dabei können Sie auf das Ladegerät der Stufe 2 verzichten und das Fahrzeug an eine herkömmliche Steckdose zu Hause oder am Arbeitsplatz anschließen. Modelle wie den Ford Fusion Energi (9 Stunden) können Sie über Nacht anschließen, um morgens eine Reichweite von etwa 30 km zu haben.

Wie viel kostet es, ein Elektroauto an einer öffentlichen Station zu laden?

Wenn Sie mit Ihrem Elektrofahrzeug über Land fahren und nach einer Ladestation suchen, wird die Situation etwas komplizierter, da öffentliche Stationen möglicherweise eine Mitgliedschaft erfordern, eine Gebühr erheben oder Zugangsbeschränkungen unterliegen. Besitzer von Elektroautos verfügen oft über Konten bei mehreren Ladestationsanbietern, um auf Reisen verschiedene Anforderungen abzudecken. Viele Anbieter von Ladenetzwerken bieten jedoch inzwischen auch Roaming an, sodass Sie mit einem Konto auf mehrere Netzwerke zugreifen können. Öffentliche Apps zu Ladestationen wie PlugShare oder ChargeHub unterstützen Sie bei der Navigation durch die verfügbaren Stationstypen.

 

In der Regel werden die Gebühren für Stationen der Stufe 2 vom Stationsbetreiber festgelegt, und im Verlauf Ihrer Fahrt können Ihnen Preise von 0,90 bis 4,50 Euro pro Stunde oder aber auch kostenlose Stationen begegnen. Diese Preise beinhalten keine regulären Parkgebühren, die vom Standort abhängig sind.

 

Fahrer von Elektrofahrzeugen, die durch Schnellladen mit Gleichstrom Zeit sparen möchten, zahlen für diesen Komfort in der Regel mehr. Ein beliebter Anbieter in diesem Bereich ist EVgo, der Pay-As-You-Go-Programme anbietet und zusätzlich 0,24 Euro pro Minute für das Schnellladen berechnet (1,35 Euro pro Stunde für das Laden der Stufe 2). Andere Programme beinhalten eine monatliche Mitgliedschaft für weniger als 9 Euro pro Monat (als Ladeguthaben), um ermäßigte Schnellladegebühren von 0,21 Euro pro Minute zu erhalten.

 

Hinweis: Käufer neuer Elektrofahrzeuge können die kostenlosen Ladepakete einiger Hersteller nutzen, um bis zu zwei Jahre lang kostenlos Laden zu können.

Vorbereitung zum Laden des Elektrofahrzeugs

Die ersten Schritte mit Plug-in-Autos können einschüchternd wirken, besonders weil es so viele Faktoren gibt, die beim Laden Ihres Fahrzeugs berücksichtigt werden müssen.

 

Hier ein paar Leitsätze, um häufige Fehler zu vermeiden:

  • Informieren Sie sich vor dem Kauf über Ermäßigungen – Dieser Tipp gilt sowohl für Vergünstigungen beim Kauf als auch beim Laden. Wenn Sie den endgültigen Preis (einschließlich Ermäßigungen) kennen, wird Ihnen die Entscheidung leichter fallen. Berücksichtigen Sie die Verringerung der Kraftstoff- und Wartungskosten sowie die Betriebskosten über die nächsten Jahre hinweg.
  • Planen Sie das Laden dort ein, wo das Fahrzeug am häufigsten geparkt wird – in der Regel über Nacht zu Hause oder im Fuhrparkdepot.
  • Stellen Sie sicher, dass die elektrische Anlage geeignet ist – Bei der Installation einer Ladestation ist die Stromstärke wichtig. Stellen Sie deshalb sicher, dass der Bereich, in dem Sie die Station aufstellen möchten, die entsprechende Stromstärke bewältigen kann: typischerweise 32 A, wofür ein 40-A-Leistungsschalter erforderlich ist. Erkundigen Sie sich bei einem Elektriker in Ihrer Nähe über die Installationskosten.
  • Suchen Sie nach Stationen in der Nähe Ihres Arbeitsplatzes und anderen regelmäßigen Haltepunkten – Wenn Sie wissen, dass Sie Ladeoptionen in der Nähe Ihres Arbeitsplatzes, wichtiger Kunden oder eines anderen regelmäßigen Haltepunktes haben, können Sie Ihr Fahrzeug ganz einfach im Alltag aufladen.
  • Bedenken Sie die Praktikabilität von Schnellladegeräten – Ein Schnellladegerät in der Nähe Ihres Zuhauses ist praktisch, wenn Sie die Batterie schnell aufladen müssen. Bevor Sie das Paket eines Ladeanbieters abonnieren, sollten Sie sich erkundigen, wo ein Schnellladen möglich ist.
  • Ermitteln Sie die Einsparungen für Nebenzeiten – Zu Spitzenzeiten können die Stromkosten bis zu dreimal so hoch sein wie in Nebenzeiten. Finden Sie heraus, ob Ihr Energieversorger Programme für Fahrer von Elektrofahrzeugen anbietet, um die günstigsten Tarife zu finden.

Was ist intelligentes Laden?

Um den zusätzlichen Energiebedarf beim Laden von Elektrofahrzeugen zu bewältigen, ohne sich zu Spitzenlastzeiten auf teure und umweltschädliche Stromquellen verlassen zu müssen, haben viele Stromversorger zeitabhängige Preise für Geschäfts- und Privatkunden eingeführt. Die Idee besteht darin, höhere Preise für Spitzenzeiten zu berechnen und Kunden so dazu zu bringen, Phasen mit einem hohen Strombedarf auf Nebenzeiten zu verlagern.

 

In Bereichen mit hoher Akzeptanz von Elektrofahrzeugen sind einige Versorgungsunternehmen bereits einen Schritt weiter gegangen und bieten einen Anreiz für eine vom Kunden kontrollierte Verlagerung beim Laden von Elektrofahrzeugen. Mit dieser Methode wird die Ladelast zuverlässig von Spitzenzeiten weg verlagert, womit Fahrer selbst ein Teil der Lösung sein können. Fahrer von Elektrofahrzeugen können dabei auswählen, wann und wo sie laden möchten, während sie die Möglichkeit haben, von Prämien und Rabatten der Stromanbieter zu profitieren.

 

Anlagenbetreiber können ebenfalls von intelligenter Ladetechnologie profitieren, da sie eine variable Stromnutzung abhängig von der Tageszeit oder der Anzahl der gleichzeitig ladenden Fahrzeuge ermöglicht.

Solarenergie und das Laden von Elektrofahrzeugen

Da selbst die umweltfreundlichsten Energieversorgungsnetze in den USA zum Teil auf fossilen Brennstoffe basieren, sehen viele Fahrer von Elektrofahrzeugen, die nach einem echten CO2-freien Antrieb suchen, die Lösung in einer Solaranlage auf dem Dach des eigenen Hauses. Bei ausreichender Sonneneinstrahlung können Besitzer eines Elektroautos recht viel Strom von der Sonne erhalten.

 

Um diese Art des emissionsfreien Fahrens zu unterstützen, bieten Ford und SunPower Anreize (auf Englisch) für Käufer von Ford-Plug-in-Hybriden, die sich eine Solaranlage installieren lassen. Ebenso bietet Tesla die Powerwall-Batterielösung für Solarstromverbraucher, mit der Energie gespeichert werden kann, um sie später in einem Elektrofahrzeug oder auf andere Weise im Haushalt zu verwenden.

Die Zukunft des Ladens von Elektrofahrzeugen

Seitdem es preisgünstigere Elektrofahrzeuge mit einer Reichweite von mehr als 320 km auf dem Markt gibt, reicht inzwischen häufig eine einzige Batterieladung für den täglichen oder sogar wöchentlichen Bedarf. In Zukunft wird der Fokus jedoch voraussichtlich auf dem Schnellladen mit Gleichstrom liegen, insbesondere für diejenigen, die ihr Fahrzeug nicht zu Hause aufladen können.

 

Da das Schnellladen immer schneller wird (mehrere Hersteller beginnen, „ultraschnell“ zu laden), wird sich das Laden eines Elektroautos vielleicht bald wie das Betanken eines Benzinfahrzeugs gestalten, doch nichts ist besser als das Laden zu Hause – oder im Fuhrparkdepot. Auch das drahtlose Laden setzt sich langsam auf dem Markt durch und könnte eine weitere bahnbrechende Entwicklung sein, insbesondere für eine Zukunft mit autonomen Elektrofahrzeugen.

 

Weitere Informationen zum Flottenmanagement von Elektrofahrzeugen mit Geotab finden Sie auf unserer Seite zum Thema Elektrofahrzeuge.

 

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