Europäische Flagge mit Datencodierung.

Den Klimawandel bekämpfen – ein “berechtigtes Interesse” für die Datenverarbeitung?

Veröffentlicht am 24. Februar 2022 in Nachhaltigkeit von Laura Schleicher |  Lesedauer: 5 Minuten


Telematik kann mit seinen datengesteuerten Funktionen als schlagkräftiges Instrument im Kampf gegen den Klimawandel genutzt werden. Doch starre Datenschutzvorgaben können neue Initiativen schnell zum Erliegen bringen, da es offenbar leichter ist, einfach „Nein“ zu sagen.

Die drängenden Probleme unserer Zeit erfordern jedoch, dass wir das wahre Potenzial digitaler Technologien ausloten, konstruktiv an Lösungen arbeiten, bei denen die Achtung des Datenschutzes Sinn ergibt, und Pläne im Hinblick auf die wirksame und verantwortungsbewusste Nutzung von Technologie entwickeln. Diese schwierige Arbeit – und nicht ein kategorisches Nein – ist dringend notwendig, damit Daten zum Guten genutzt werden . 

 

Wahrscheinlich hören Sie heute nicht zum ersten Mal von der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), und wahrscheinlich ist Ihnen auch bekannt, dass die DSGVO ein kraftvolles Instrument zur Harmonisierung des Datenschutzes in Europa ist. Die DSGVO kodifiziert, harmonisiert und erläutert die europäischen Datenschutzgesetze und gilt in anderen Ländern der Welt als Vorbild. Doch wie überall kann die starre, übertriebene oder unbedachte Anwendung von Gesetzen auch hier ungewollte Folgen haben. Von der Jahreskonferenz der Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder1 ist zu hören, dass Datenschutzbelange nicht dazu führen dürfen, dass digitale Technologien und Daten von vornherein beim Schutz vor Naturkatastrophen und anderen Krisen vernachlässigt werden. Es wird erläutert, dass “ digitale Lösungen zur Krisenbewältigung und Datenschutzaspekte in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen sind.” Die Konferenz erkennt an, dass Daten eine zentrale Rolle bei der Bewältigung der drängendsten gesellschaftlichen Probleme spielen. Das sehen auch wir so. Daten und datenbasierte Funktionen sind ausschlaggebend für die Verwirklichung von Klimazielen wie denen, die im Pariser Klimaabkommen und an anderer Stelle formuliert wurden. Schauen wir uns diese Entwicklung und die Nutzung von Telematikfunktionen zur Verwirklichung von Klimazielen unter Berücksichtigung der DSGVO einmal etwas genauer an. 

Eine Flut von Umweltvorschriften

In Europa traten Anfang 2021 neue Vorschriften in Kraft, als das Europäische Parlament das Europäische Klimagesetz verabschiedete. Es ist das erste seiner Art, das die Ziele des sogenannten europäischen Green Deals manifestiert, nämlich die Erreichung von Netto-Null-Emissionen bis 2050 und eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen (THG) um 55 % bis 2030 (bezogen auf das Vergleichsjahr 1990). Laut Reuters (auf Englisch) bedarf es dafür einer umfassenden Überarbeitung der Richtlinien und deutlich schärferer Vorschriften.

 

Wenige Monate später, im November 2021, fand die 26. UN-Klimakonferenz (COP26) statt, bei der im Mittelpunkt stand, wie wichtig es ist, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius und idealerweise auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Anlässlich der COP26 kündigten europäische Vertreter strikte Durchsetzungsmaßnahmen an und bekannten sich unter anderem unumwunden zur Reduzierung des Methanausstoßes und zur Aufstockung der finanziellen und technischen Mittel für die Umsetzung der angepeilten Schadstoffreduzierung.  

 

Falls Sie noch nicht überzeugt sind: Auch einzelne Länder ergreifen derzeit Maßnahmen im Rahmen dieser breitgefächerten politischen Entwicklungen. Hier ein weiteres aktuelles Beispiel aus Deutschland, das der Tagesspiegel als „historisch“ bezeichnet denn imZuge einer Klage von Umweltverbänden hat das deutsche Bundesverfassungsgericht entschieden, dass “so wie sich ein Staat nicht auf Kosten zukünftiger Generationen überschulden darf, soll auch der Klimaschutz nicht auf die Nachkommen abgewälzt werden.” Dies ist sicher erst der Anfang, denn diese Art der Rechtsprechung dürfte Nachahmer in anderen Ländern finden. Obwohl diese bahnbrechende Übereinkunft in Deutschland stattfand, wies ein kürzlich erschienener Beitrag darauf hin, dass Deutschland hinter dem für 2030 formulierten Klimaziel zurückgeblieben sei und nun umfassende Maßnahmen ergreifen müsse, um wieder auf Kurs zu kommen. 

 

Auch der gesellschaftliche Druck, klimaneutral zu werden, nimmt zu. Erzeugt wird er von den Kunden und Verbrauchern selbst. Hinzu kommt, dass es einer Optimierung der Lieferketten bedarf, damit diese grünen2 Forderungen erfüllt werden können. Lieferanten, die keine gesicherten Nachweise bezüglich ihrer Nachhaltigkeitsziele vorlegen können, haben möglicherweise das Nachsehen, wenn plötzlich die Verbesserung der Nachhaltigkeit ganzer Lieferketten im Mittelpunkt steht. Die Forderungen könnten sogar so weit gehen, dass Banken und andere Geldgeber Firmen den Geldhahn zudrehen würden, die nicht den Vorschriften entsprechen.

Daten zum Guten nutzen 

Angesichts der oben beschriebenen Entwicklungen werden Unternehmen gewiss unter enormem Druck stehen, was den Übergang zu grünen Abläufen betrifft. Man sollte annehmen, dieses Interesse sei legitim genug, um sich die Macht der Daten zunutze zu machen. Die Realität sieht derzeit jedoch ganz anders aus, insbesondere im Transportwesen. Eine kürzlich in Deutschland von Geotab durchgeführte Studie ergab, dass die große Mehrheit der Flottenmanager Nachhaltigkeitsziele formuliert hat und die Wichtigkeit von Fahrerschulungen für die Verwirklichung dieser Ziele betont. Mit dem Geotab GO-Gerät und der Plattform MyGeotab sowie den zugehörigen Berichten und Add-Ins können Flottenmanager mühelos proaktive Maßnahmen zur Verbesserung des Fahrerverhaltens ergreifen. Doch gleichzeitig scheuen viele vor der Umsetzung solcher Coaching-Maßnahmen zurück, weil sie DSGVO-Bestimmungen und eine ablehnende Haltung von Betriebsräten fürchten. Sollte es nicht andersherum sein?

 

Man sollte meinen, dass es im besten Interesse aller Beteiligten wäre, wenn Fahrer (als wichtigstes Kapital jedes Fuhrparks) geschützt und der Schadstoffausstoß des Fahrzeugbestands gesenkt wird. Weder Datenverarbeiter noch Datenverantwortliche sollten davor zurückschrecken, Telematikfunktionen zur Verbesserung der Fahrweise und zur Reduzierung des Kohlenstoffausstoßes im Straßenverkehr zu nutzen. Doch wie so oft heißt der Schlüssel auch diesmal Transparenz. Aus den Richtlinien sollte unmissverständlich hervorgehen, wie Systeme genutzt bzw. nicht genutzt werden. Dies gilt auch für das „Fahrer-Coaching“, dessen Vorteile deutlich benannt werden sollten. Mit den richtigen Maßnahmen, einer verantwortungsvollen Handhabung und einer klaren Verständigung können alle Beteiligten ihre Vorteile nutzen. 

 

Als Datenverarbeiter hat Geotab die erforderlichen Maßnahmen ergriffen, damit die Verarbeitungsabläufe der DSGVO entsprechen. Dazu zählen auch dokumentierte Sicherheitsvorkehrungen (auf Englisch). Außerdem unterstützt Geotab Fuhrparkmanager (sogenannte Datenverantwortliche) bei der Einhaltung der diesbezüglichen Datenschutzauflagen. Zum Beispiel ist das Geotab-System so konfiguriert, dass nur befugte und dafür vorgesehene Benutzer bestimmte Daten einsehen können. Darüber hinaus bietet Geotab weitere Funktionen mit „eingebautem Datenschutz“, wie zum Beispiel den Personal Mode für Fahrer, der unter anderem das Verwerfen von Daten zu bestimmten Zeiten oder für bestimmte Orte ermöglicht. Grundsätzlich müssen Flottenmanager dafür sorgen, dass das Flottenmanagementsystem verantwortungsvoll genutzt wird. Dazu gehört auch, dass das berechtigte Interesse an der Datennutzung ausführlich genug erklärt wird. Dies betrifft nicht nur den Aspekt Sicherheit, sondern auch den der CO2-Reduzierung im Rahmen der Klimaziele – beides sollte für jede Flotte und jedes Transportunternehmen vorrangig sein. 

 

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie Geotab Maßnahmen für den Datenschutz umsetzt, klicken Sie hier: Geotab Mobility Connect 2020 – Data Privacy (deutsche Untertitel verfügbar)

Ein Schritt in die richtige Richtung

Damit wären wir wieder bei der Konferenz der Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder. Die Ministerpräsidenten sprachen darüber, dass die Pandemie deutlich gemacht hat, wie wichtig es ist, Datenschutzbelange und Dateninstrumente miteinander in Einklang zu bringen, damit sich die dringenden Herausforderungen unserer Zeit – von der Pandemie bis hin zum Klimawandel – in Angriff nehmen lassen. Was die Bekämpfung des Klimawandels unter besonderer Beachtung des Transportwesens betrifft, ist es Aufgabe von Datenunternehmen (wie Geotab) und -nutzern (Fuhrparkbetreiber), Datentechnologien zu entwickeln und umzusetzen, die einen unmittelbaren und konkreten Beitrag leisten. Eine erweiterte Nutzung von Daten wird die Akteure in die Lage versetzen, das für den Übergang zur Elektromobilität notwendige Klima zu fördern und gleichzeitig die Schadstoffbilanz älterer Fahrzeuge möglichst wirksam zu optimieren.

 

Mehr darüber, wie Geotab Unternehmen mit Datentechnologie zu mehr Nachhaltigkeit verhilft, erfahren Sie im Geotab Nachhaltigkeitsbericht.

 

Neben dem Klimawandel ist die Verkehrssicherheit ein weiterer wichtiger Aspekt. Gleiches gilt für eine effiziente Betriebsführung.  In ihrer Eigenschaft als Datenverarbeiter und -verantwortliche müssen Technologieanbieter und -nutzer auf eine sichere und verantwortungsvolle Handhabung der Datentechnologie drängen, die Vorteile kommunizieren und ihre Nutzung transparent gestalten. Wichtig ist zu dokumentieren, was getan wird, wie es getan wird und welche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden. Diejenigen, die die Nutzung von Datentechnologien bewerten, sollten keine Scheuklappen tragen, sondern die Dinge im Zusammenhang sehen, das berechtigte Interesse erkennen und den Umsetzungsplan evaluieren. Niemand hat das Recht, einfach zu sagen „nicht mein Problem“. Der Klimawandel ist „unser“ Problem, „unsere“ Verantwortung und „unser“ legitimes Interesse.

 

1 Jahreskonferenz der Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder vom 20.- 22. Oktober 2021 in Königswinter. Das Dokument finden Sie hier: https://www.land.nrw/sites/default/files/asset/document/beschluss_-_lehren_aus_der_pandemie_-_den_pandemiebedingten_digitalisierungsschub_nutzen.pdf

2 Es sei darauf hingewiesen, dass die Verwendung des Begriffs „grün“ in diesem Text lediglich der Veranschaulichung dient und stark vereinfacht ist, da viele Dinge, die als „grün“ etikettiert sind, weder nachhaltig noch umweltfreundlich und manchmal sogar schädlich für die Umwelt sind.


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