Bild eines weißen Elektrofahrzeuges, das an einer grünen Ladesäule angeschlossen ist

Reichweite im Sommer

Veröffentlicht am 12. Juli 2022 in Elektromobilität von Mona Helmchen |  Lesedauer: 4 Minuten


So bleibt der Elektro-Fuhrpark auch bei Hitze cool

Nicht nur Fuhrparkleiter, auch die Fahrer eines Elektro-Firmenwagens fragen sich angesichts der aktuellen Rekordtemperaturen: Hält die Batterie das überhaupt aus? Ist es möglich, dass der E-Fuhrpark bei Hitze zu brennen beginnt? 

 

Unsere Daten zeigen: Zu hohe Temperaturen beeinträchtigen zwar nicht die Sicherheit – aber die Reichweite eines Elektro-Firmenwagens: Bei 40 Grad Außentemperatur beträgt der durchschnittliche Reichweitenverlust eines E-Fahrzeugs rund 20 Prozent. In diesem Blogbeitrag verraten wir, wie sich Sommerhitze auf Elektro-Firmenfahrzeuge auswirkt und was Flottenmanager beachten sollten, damit der E-Fuhrpark auch bei Höchsttemperaturen verlässlich funktioniert.

Geotab-Focus: Das Wichtigste in 90 Sekunden

90 second timer
  1. Die optimale Betriebstemperatur für ein Elektro-Firmenfahrzeug liegt bei exakt 21,5 Grad Celsius. Bei dieser Temperatur ist die reale Reichweite meist höher als vom Hersteller angegeben.
  2. Mit zunehmenden Temperaturen verliert die Batterie an Kapazität, die Reichweite sinkt. Bei 40 Grad Celsius beträgt der Reichweitenverlust rund 20 Prozent.
  3. Vorklimatisierung an der Ladesäule, häufigeres und langsameres Laden sowie Schattenparken helfen, Elektro-Firmenwagen im optimalen Temperaturbereich (zwischen 15 und 35 Grad Celsius) zu halten.

Bereits ab 30 Grad wird es ohne Klimaanlage unangenehm heiß für die Fahrer eines Firmenfahrzeugs. Doch welchen Einfluss haben höhere Außentemperaturen eigentlich auf den Akku eines Elektro-Firmenwagens? Ist Gluthitze schädlich für das Fahrzeug? Ist es möglich, dass die Batterie ab einer gewissen Höchsttemperatur zu brennen beginnt? … Seit Langem befasst sich das Geotab-Team mit diesen und anderen Fragen:

Geht der Elektro-Fuhrpark bei Gluthitze in Flammen auf?

Das Wichtigste zuerst: Selbst bei (bislang noch nie gemessenen) Außentemperaturen von 60 und mehr Grad Celsius besteht keine erhöhte Brandgefahr für den Elektro-Fuhrpark. 

 

Der Grund: Zum einen sind die Batterien bei allen Serienfahrzeugen im Unterboden des Fahrzeugs verbaut und daher nie der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Zum anderen verfügen neue Elektro-Firmenwagen über ein Thermomanagement-System, das nicht nur den Innenraum, sondern auch die Batterie kühlen (und heizen) kann. Bei Elektro-Fahrzeugen ohne internes Thermomanagement sorgt eine spezielle Temperaturüberwachung dafür, dass die Batterie abgeschaltet wird, lange bevor sicherheitskritische Temperaturen (ab ca. 130 Grad Celsius) erreicht werden. 

 

Entwarnung: Kein erhöhtes Brandrisiko bei Hitze, aber sinkende Reichweite

Hohe Außentemperaturen bringen somit kein erhöhtes Sicherheits- oder Brandrisiko für den Elektro-Firmenwagen mit sich. Allerdings erfordert der parallele Betrieb von Klimaanlage und Wärmemanagement mehr Energie aus der Batterie des Fahrzeugs. Zudem funktionieren die standardmäßig verbauten Lithium-Ionen-Akkus nur in einem bestimmten Temperaturbereich von ca. 15 bis 35 Grad Celsius optimal. 

Beides wirkt sich negativ auf die Fahrleistung des Firmenwagens aus. Die Folge: Bei hohen Temperaturen verliert der Elektro-Firmenwagen an wertvoller Reichweite.

Daten verraten den Einfluss der Temperatur auf die Reichweite

Um den Zusammenhang zwischen Umgebungstemperatur und Reichweite herauszufinden, analysierte Geotab mehr als fünf Millionen Fahrten von 4.200 (anonymisierten) Elektro-Firmenwagen unterschiedlichster Marken, Modelle und Baujahre. 

 

Das Resultat: Die perfekte Außentemperatur für einen Elektro-Firmenwagen liegt bei 21,5 Grad Celsius. Bei dieser Temperatur können Elektrofahrzeuge die vom Hersteller angegebene Maximalreichweite sogar übertreffen – und Spitzenwerte von 115 Prozent der Nennleistung erzielen. 

 

Dabei folgen fast alle Elektro-Firmenwagen - unabhängig von Marke oder Modell - einer ähnlichen Temperatur-Reichweite-Kurve. Diese erreicht ihr Effizienz-Optimum bei Temperaturen von 15 bis 35 Grad Celsius. 

Außentemperaturen von 30 bis 35 Grad, die viele Fahrer bereits als brütende Hitze empfinden, zählen für moderne Elektro-Firmenwagen noch als “optimale Betriebstemperatur”.

Nicht nur bei niedrigen, auch bei hohen Temperaturen ist ein Verlust von Reichweite erkennbar. Der Reichweitenverlust bei 40 Grad Celsius entspricht etwa dem bei einer (wesentlich häufiger auftretenden) Außentemperatur von null Grad.

Nicht nur bei niedrigen, auch bei hohen Temperaturen ist ein Verlust von Reichweite erkennbar. 

Der Reichweitenverlust bei 40 Grad Celsius entspricht etwa dem bei einer (wesentlich häufiger auftretenden) Außentemperatur von null Grad. In einem Temperaturbereich von 15 bis 35 Grad Celsius funktioniert ein Elektro-Firmenwagen optimal. 

 

Bekannt ist, dass zu niedrige Temperaturen die Reichweite eines Elektro-Firmenwagens einschränken. Im Januar 2022 musste die Deutsche Post deshalb sogar einige Elektro-Transporter aus dem Verkehr ziehen. 

„Reichweitenkiller“: Wärme nur in der Theorie, Kälte in der Praxis

Die Geotab-Daten zeigen ebenfalls, dass die Reichweiten-Kurve mit steigender Wärme schneller abnimmt als mit zunehmender Kälte. Damit wirkt sich Hitze in der Theorie schädlicher auf die Akku-Kapazität aus als Minusgrade. 

 

Doch in der Praxis ist die Kälte für Fahrerinnen und Fahrer das häufigere Problem. Denn Temperaturen von über 50 Grad sind weltweit eher eine Ausnahme: Die höchste jemals gemessene Temperatur liegt bei 56,7 Grad Celsius. Bei einer solchen Rekordhitze funktioniert ein Elektro-Firmenwagen noch so gut wie bei der (wesentlich häufiger auftretenden) Temperatur von minus fünf Grad Celsius. 

 

Fazit Sommerhitze beeinträchtigt zwar die Akkuleistung, aber nicht im selben Maße wie Kälte. 

Untenstehend verraten wir einige Tipps, wie Fuhrparkleiter auch bei Rekordtemperaturen cool reagieren – und dafür sorgen, dass sich nicht nur der Fahrer, sondern auch die Batterie des Elektro-Firmenwagen bei Sommertemperaturen wohlfühlt. 

Geotab Fuhrpark-Tipps für heiße Tage: Mit dem E-Firmenwagen cool und ohne Reichweitenverlust durch den Sommer

Die Geotab-Fuhrparkexperten verraten die wichtigsten Tipps, um den Elektro-Firmenwagen auch bei Höchsttemperaturen im optimalen Temperaturfenster zu halten:

  1. Schattig parken: Fuhrparkmanager sollten ihre Fahrer dafür sensibilisieren, den Elektro-Firmenwagen bei heißen Temperaturen während Standzeiten nach Möglichkeit im Schatten zu parken. Das kann etwa in der Tiefgarage des Unternehmens, der Lagerhalle oder im Schatten von Bäumen und Firmengebäuden sein. Dadurch wird die Temperatur der Batterie ohne Energieaufwand wieder abgekühlt.
  2. Entspannt fahren: Gerade an heißen Tagen sollten häufige, abrupte Beschleunigungsvorgänge vermieden werden, da sich die Batterie dabei schneller erhitzt und die Kühlung (durch das Thermomanagementsystem des Elektro-Firmenwagens) bei den meisten Modellen nicht so schnell kurzfristig aktiviert wird.
  3. Häufiger und langsamer laden: Bei Hitze empfiehlt es sich, häufigere und längere Ladestopps einzuplanen, da das Batteriemanagementsystem die maximale Ladeleistung drosselt, um ein Überhitzen des Akkus zu verhindern. Zudem empfehlen die Geotab-Experten, bei Hitze Schnelllade-Prozesse zu minimieren, da bei langsamerem Laden die Temperatur des Akkus stabiler bleibt. Bei hohen Temperaturen sollte der Akku zudem nicht vollständig (max. 80 Prozent) geladen werden, da sich sonst die Leistung verringern kann.
  4. Realistische Routenplanung: Temperaturen über 35 Grad Celsius erfordern mehr Planungsaufwand, da Fuhrparkleiter die Reichweite ihrer Elektro-Firmenwagen entsprechend kalkulieren müssen. Dabei können moderne Software-Tools wie etwa das Geotab Temperatur-Reichweiten-Tool helfen.

Geotab-Faustregel: Ein bewährter Richtwert, um den nächsten Ladestopp einzuplanen, liegt bei 100 Kilometern Restreichweite. 

  1. Stromfresser und Zusatzlasten minimieren: Gerade im Sommer ist die Klimaanlage der größte, aber auch am schwersten zu vermeidende Stromfresser. Durch regelmäßiges Öffnen der Fenster bei höheren Geschwindigkeiten kann die Innenraumtemperatur durch den Fahrtwind reduziert werden, ohne die Batterie zu belasten. Auch eine leicht höhere Temperatureinstellung der Klimaanlage (z.B. 23 bis 25 Grad) sorgt für angenehmes Klima – und spart Energie. Generell sollten Fuhrparkleiter bei Gluthitze ihre Fahrer darauf hinweisen, nur wirklich benötigte elektrische Verbraucher zu nutzen. Radio, Innenbeleuchtung oder das Laden des Smartphones kosten den Elektro-Firmenwagen Reichweite.
  2. Gewicht sparen: Auch überflüssiges Gewicht (z.B. nicht benötigtes Werkzeug) beeinträchtigt die reale Reichweite. Fuhrparkleiter sollten Fahrer eines Elektro-Firmenwagens bitten, Innenraum und Transportfläche auf unnötige Lasten zu überprüfen.
  3. Vorkühlen an der Ladesäule: Fahrer eines Elektro-Firmenwagens sollten im Sommer den Innenraum mittels Vorklimatisierung unbedingt schon vor dem Start herunterkühlen. Dadurch fährt das Fahrzeug von der ersten Minute an bei optimaler Betriebs- und angenehmer Innenraumtemperatur – und die Reichweite wird nicht beeinträchtigt.

Am Netz bleiben:

Fuhrparkverantwortliche sollten ihre Fahrer darauf hinweisen, den Elektro-Firmenwagen an heißen Tagen am Stromnetz zu lassen, solange er nicht benötigt wird (Achtung: Dies entspricht nicht dem aktiven Laden). Solange das Fahrzeug angeschlossen ist, kann das Thermomanagementsystem die Batterietemperatur im Optimalbereich halten – ohne dabei wertvolle Akkukapazität zu beanspruchen. 


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