Weiße Elektrofahrzeuge, die hinter einander geparkt stehen und an Ladesäulen angeschlossen sind

Elektromobilitätsstrategie: Schritt 3 für eine erfolgreiche Elektrifizierung des Fuhrparks

Veröffentlicht am 22. Juni 2022 in Elektromobilität von Mona Helmchen |  Lesedauer: 4 Minuten


In diesem Blogbeitrag verraten wir Ihnen den dritten von insgesamt fünf wichtigen Schritten für eine erfolgreiche und betriebswirtschaftlich effiziente Elektrifizierung des Fuhrparks.

Schritt 3: Ladeinfrastruktur planen

Reichweitenvorurteile

Die Reichweiten von Elektroautos sind in den letzten Jahren konstant gewachsen. Bis zum Jahr 2025 soll die durchschnittliche Batteriereichweite von Elektrofahrzeugen auf 784 Kilometer ansteigen. Selbst Elektro-Firmenwagen der Kompaktklasse erfüllen mittlerweile problemlos Reichweiten von 250 Kilometern und mehr. 

 

Dennoch ist es beim Aufbau eines Ladenetzes oberste Priorität, dass die Fahrer zuverlässig laden können – und es zu keinen vermeidbaren Ausfällen im Tagesgeschäft aufgrund ladebedingter Verzögerungen kommt.

 

Die Nutzungsanalyse des Zweiten Schritts hat gezeigt, welche Firmenfahrzeuge tagsüber schnell geladen werden müssen und welche Poolfahrzeuge oder Dienstwagen am besten über Nacht am Unternehmensstandort (oder dem privaten Wohnsitz des Fahrers) aufgeladen werden. 

 

Bei der Erstellung einer Ladestrategie sollten digitale Ladelösungen für den Fuhrpark bevorzugt werden, um eine steuerlich und kostentechnisch saubere (automatische) Abrechnung zu gewährleisten. 

 

Geotab-Tipp: Reichweite (erhoben aufgrund der täglichen Streckenanforderungen des Firmenfahrzeugs) ist das Kriterium, auf das viele Fuhrparkleiter zuerst achten, wenn es um die Elektrifizierung der Flotte geht. Das ist nicht generell falsch – nur eben nicht das alleinig maßgebende Kriterium. “Wichtig für eine Analyse der Ladeinfrastruktur ist nicht primär die Anzahl der gefahrenen Kilometer (pro Strecke / pro Tag), sondern die Verteilung der Stillstandzeiten,” erläutert Tamas Halbrucker, Solutions Engineering Manager bei Geotab. 

Häufige Zwischenladungen

Stillstandzeiten sind potenzielle Ladezeiten. Die Zeit eines kompletten Ladevorgangs ist ein Kriterium, das für Maximalleistungen eine Rolle spielen mag. Im Alltag kann die Maximalreichweite datenbasiert („Live-In-Cabin-Feedback“) relativ einfach und bei der Mehrzahl der Fuhrparks erfolgreich durch (kürzere) „Zwischenladungen“ abgepuffert werden. Schnellladestationen ermöglichen es, den Akku innerhalb von wenigen Minuten auf rund 70 bis 80 Prozent seiner Kapazität aufzuladen. 

Ladeinfrastrukturplanung: Die 5 häufigsten Einsatz-Szenarien eines Elektro-Firmenwagens

Szenario 1 – „Laden über Nacht“ ist das einfachste Modell für einen Elektro-Firmenwagen, der überwiegend als Dienstwagen für Fahrten zum Arbeitsort und zu Partnerterminen genutzt wird. Sollten sich mehrere Dienstwagen in Ihrer Flotte befinden, ist eine Übernahme der Installations- und Stromkosten für eine „private“ Wallbox am jeweiligen Wohnort des Mitarbeiters die optimale Lösung.

 

Szenario 2 – „Heimschläfer“. Das Firmenfahrzeug steht über Nacht (meist) auf dem Betriebsgelände: In diesem Fall handelt es sich meist um ein ein klassisches Nutzfahrzeug (Kombi, Transporter, Baustellen-Fahrzeug) oder einen Poolwagen, der fast ausschließlich für Dienstfahrten genutzt wird. In diesem Fall bietet es sich an, eine Ladestation auf dem Unternehmensgelände zu errichten.

 

Szenario 3 – „Nutzfahrzeug“. Das Fahrzeug ist tagsüber immer nur kurz auf dem Firmengelände, über Nacht aber meist an einem festen Standort. Dabei handelt es sich in der Regel um Transport- und Lieferflotten, aber auch Fahrzeuge für haushaltsnahe Dienstleistungen (z.B. Ambulante Pflege, Garten- und Landschaftsbau). In diesem Fall empfiehlt es sich, zwei Ladestationen einzuplanen: eine leistungsstarke (Schnelllade-) Zwischenlösung und eine Wall-/ Ladebox am überwiegenden Standort.

 

Szenario 4 – „Dauereinsatz“: Das Fahrzeug ist teilweise weitere Strecken und mit kürzeren Stillstandzeiten unterwegs, als Reichweite und Ladekapazität des Akkus es zulassen. In diesem Fall gilt es zu überlegen, ob ein Hybrid-Fahrzeug die Anforderungen erfüllen kann. Parallel ist es empfehlenswert, die temporäre Abdeckung von „Auslastungsspitzen“ durch ein Sharing-Firmenfahrzeug (Corporate Car Sharing oder „Auto-Abo“) als Alternative zu überprüfen.

 

Szenario 5 – „Full Flexibility“. Das Unternehmensmodell erfordert einen Firmenwagen, der jeder Zeit flexibel ist? In diesem Fall empfiehlt sich bei einer Elektrifizierung eine Umkreisanalyse in Nähe von 500 Kilometern des Firmenstandortes, um den Abdeckungsgrad mit öffentlichen Ladesäulen zu überprüfen. Zudem lohnt es sich, Kostenvoranschläge für eine (unternehmensindividuelle) Ladekarten-Lösung durch regional präsente Strom- und/ oder Ladeinfrastruktur-Anbieter einzuholen. Parallel kann auch die Installation einer Wallbox / Ladestation am häufigsten Standort durch das Unternehmen angeboten werden, um eine „Basisversorgung“ sicherzustellen.

 

Geotab-ProTipp: Die Anzahl der für einen verlässlichen Betrieb notwendigen Ladesäulen richtet sich nach der Anzahl der elektrifizierten Firmenwagen im Unternehmen (abhängig von der strategischen Planung des Fuhrparkverantwortlichen, z.B. 55 Prozent der möglichen Fahrzeuge bis 2035). 

  • Fuhrparks mit bis zu 5 Firmenfahrzeugen: 1,0 Ladestationen/ Elektro-Firmenwagen (Unternehmensstandort oder private Wallbox), keine Vernetzung der Ladestationen erforderlich, Kostenangebote einholen für das Laden im öffentlichen Ladenetz
  • Fuhrparks mit zwischen 5 und 20 Firmenfahrzeugen: 0,8 Ladestationen/ Elektro-Firmenwagen, intelligentes Lademanagement, Ladekarte für das öffentliche Schnellladenetz
  • Fuhrparks mit zwischen 20 und 50 Firmenfahrzeugen: ca. 0,6 Ladestationen/ Elektro-Firmenwagen, telematische Vernetzung, intelligentes Lademanagement, digitale Routenoptimierung, Ladekarte für das öffentliche Schnlelladenetz
  • Fuhrparks ab 50 Firmenfahrzeugen: ca. 0,4 Ladestationen/ Elektro-Firmenwagen, automatisierte Tankplanung, telematische Vernetzung, Live-Analyse, intelligentes Lademanagement, digitale Routenoptimierung, „Green Fleet Management“-Software, Ladekarte für das öffentliche Schnellladenetz

Wenn der Elektro-Firmenwagen überwiegend für Fahrten zwischen zwei Standorten (zum Beispiel Firmengelände-Wohnort des Mitarbeiters) genutzt wird, ist eine Ladesäulenplanung relativ einfach. Als Alternative zur klassischen „Über-Nacht-Ladung“ kann es etwa sinnvoll sein, die Firmenwagen im laufenden Betriebsalltag zu priorisieren, zu staffeln und einen detaillierten Ladeplan zu erstellen. 

 

Ist regelmäßig eine Zwischenladung nötig, erleichtert eine intelligente Ladelösung mit Live-Feedback an den Fuhrparkleiter (wer hat zu welchem Zeitpunkt wie viel geladen?) die Ladeplanung und damit den Fuhrpark- und Fahreralltag deutlich. 

Wachsende Versorgungsdichte

Eine Umkreisanalyse hilft dabei, den Abdeckungsgrad mit öffentlichen Ladesäulen zu überprüfen. Die infrastrukturellen Möglichkeiten, den Elektro-Firmenwagen aus dem öffentlichen Ladenetz zu versorgen, variieren noch von Land zu Land, von Region zu Region. 

 

Dabei kann europaweit von einer wachsenden Versorgungsdichte ausgegangen werden. Die Anzahl der Elektrofahrzeuge in der Europäischen Union nimmt rapide zu und auch die Anzahl der öffentlichen Lademöglichkeiten wächst seit Jahren konstant: Im zweiten Quartal des Jahres 2022 wurde mit knapp 30.000 öffentlichen Ladesäulen ein neuen Rekordwert in Deutschland erzielt. 

Ladelösungen auch für das öffentliche Netz

So sollten Fuhrparkleiter ab einer gewissen Fuhrparkgröße (ab ca. 10 Firmenwagen) ein Ladekartensystem für das öffentliche Netz in Betracht ziehen. Annähernd zwei Drittel der öffentlich zugänglichen Ladestationen verfügen über eine beschleunigte Ladegeschwindigkeit. “Das europäische Ladenetz befindet sich stark im Aufbau. Ziel der EU-Kommision ist, dass man als Elektromobilitätsnutzer an allen wichtigen Fernstraßen innerhalb der nächsten zehn Jahre alle 60 Kilometer eine Ladestation findet,” erzählt Laura Schleicher, Sustainability und Public Affairs Specialist bei Geotab. 

 

Geotab-Tipp: Die maximale Ladezeit kann einfach berechnet werden: Batteriekapazität geteilt durch die Ladeleistung des jeweiligen Anschlusses der Ladestation. 

Wer darf laden?

In einer Ladestrategie sollte auch festgelegt werden, wem die Ladepunkte zur Verfügung stehen sollen. So sollten Fuhrparkverantwortliche klären, wer überhaupt laden darf (möglich ist ein „Zugangsschutz“ (incl. Abrechnung): persönliche Freischaltung durch den Fahrer via PIN, RFID-Karte etc..);

  • nur Firmenwagenfahrer,
  • alle Mitarbeiter,
  • alle Mitarbeiter und Gäste (ggfall. Abrechnungsystem) oder
  • alle (öffentliche Ladestation, separater Anschluss für Firmenfahrzeuge des Unternehmens)

Für Mitarbeiter, die einen Elektro-Firmenwagen als persönlichen Dienstwagen nutzen, ist die Ladung im Rahmen der 1-Prozent-Regel-Versteuerung berücksichtigt. Laden Mitarbeiter kostenfrei an den Ladesäulen des Unternehmens, die ein privates Elektrofahrzeug besitzen, ist der geldwerte Vorteil steuerfrei. Ein schöner Service für Gäste ist die Möglichkeit eines vernetzten Abrechnungsservices.

 

Lesen Sie auch Schritt 1 und Schritt 2 unserer Elektromobilitätsstrategie.


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